"Soll bei der Umgestaltung der Kiellinie der Nördliche Abschnitt für den Autoverkehr weiterhin offen und befahrbar bleiben?" Wir sagen - Ja!

Entscheiden Sie mit: Soll bei der Umgestaltung der Kiellinie der Nördliche Abschnitt für den Autoverkehr weiterhin offengehalten und befahrbar bleiben?

 

Worum geht es?

2017 wurde die städtebauliche Gesamtmaßnahme „Kiellinie und Düsternbrooker Fördehang“ auf einen Ratsbeschluss hin (Drucksache 0835/2017) in das in das Städtebauförderungsprogramm „Zukunft Stadtgrün“ für das Programmjahr 2017 aufgenommen und die Fördermittel beim Land Schleswig-Holstein beantragt. 

Anschließend wurde ein externes Gutachterbüro für die vorbereitenden Untersuchungen beauftragt. 

Die Verwaltung hat nun drei Teilabschnitte für die städtebauliche Gesamtmaßnahme vorgesehen (Drucksache 0708/2020):

  1. Reventlouwiese und Landesufer:
    Die Reventlouwiese soll als DIE multifunktionale Grün- und Freifläche zur Erholung, für Veranstaltungen sowie für Spiel und Sport aufgewertet, der Mobilitätsknotenpunkt Reventloubrücke für den Umweltverbund gestärkt, das Segelcamp in seiner heutigen Größe und Lage gesichert, der Badesteg qualifiziert sowie das Landeshausufer aufgewertet und auch als Schauseite des Parlaments repräsentativ gestaltet werden.
  2. Berthold-Beitz-Ufer:
    Das Bertholz-Beitz-Ufer soll als neuer Ankerpunkt für das Leben an der Förde (Realisierungsebene) und die neue Bellevue-Brücke (Ideenebene) sollen im Planungswettbewerb gemeinsam geplant werden.
  3. Kiellinie Nord:
    Die Kiellinie Nord soll zu einer Promenade zwischen Fördehang und Kieler Förde mit hoher Aufenthaltsqualität und Erlebnisfunktion sowie Premiumradroute werden. Dafür soll die Kiellinie zwischen Seebadeanstalt und Parkplatz Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Standort Kiel (ehemals WSD Nord, Kiellinie 247) kraftfahrzeugfrei werden.

Zudem sollen Gastronomie, und die Erweiterung von Badekapazitäten sowie die öffentlich zugänglichen Einsetzmöglichkeiten von kleinen Wassersportgeräten wie
Stand-Up-Paddeling-Boards das Konzept abrunden.

Die Verwaltung wird der Selbstverwaltung eine Beschlussvorlage für die Sitzung der Ratsversammlung am 19. November 2020 vorlegen. 

Die Freien Demokraten in Kiel stehen hinter dem Gedanken die Stadt mehr an bzw. auf das Wasser zu bringen, um die Aufenthaltsqualität in Kiel zu erhöhen. Daher begrüßen wir den Vorstoß der Verwaltung im Grundsatz, können der Planungsvariante zu Punkt 3 jedoch nicht folgen.  

Weshalb sollte die Planungsvariante zu Punkt 3 so nicht beschlossen werden?

  • Verlagerung des Verkehrs in Wohn- und Erholungsgebiete und vorbei an Schulen und Kindertagesstätten:
    Die Planungsvariante zur kompletten Sperrung des nördlichen Teils der Kiellinie führt dazu, dass der Verkehr einer zentralen Nord-Süd bzw. Süd-Nord-Achse -  eine  Kreisstraße und Bestandteil des übergeordneten Straßennetzes der Stadt - durch  Wohn- und  Erholungsgebiete (Forstbaumschule und Diederichsenpark) geleitet wird. Die Ausweichstrecken sind als Gemeindestraßen klassifiziert und liegen in der Tempo 30-Zone.  Im nördlichen Teil der Kiellinie gibt es keine Anwohner. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse der Verkehrszählung  wenig belastbar sind. Die Zählung stellt allenfalls eine Momentaufnahme des Status quo  dar. Künftige Entwicklungen  bleiben unberücksichtigt. Im Stadtplan für die Wik stellt der Ausbau von Wohnraum einen Schwerpunkt dar. Der Durchgangsverkehr in Richtung Innenstadt und zurück dürfte weiter ansteigen. Der Verkehr wird also aus einer nicht bewohnten Straße herausgenommen und durch  Wohn- und Erholungsräume geleitet. Der bei Sperrung des nördlichen Teils der Kiellinie unzweifelhaft  steigende Verkehr auf den Ausweichstrecken wird  mit dem Hinweis relativiert,  es handele sich zahlenmäßig  um  wenige Anwohnerinnen und Anwohner und  damit um eine zu vernachlässigende Größe. Diese Argumentation lässt  u. a.  außer Betracht, dass auch an der Feldstraße Anwohnerinnen und Anwohner vom steigenden Durchgangsverkehr  in einem Abschnitt betroffen  sind, der von sehr vielen Menschen bewohnt wird.
    Durch die erhebliche Zunahme des Verkehrs in diesen Bereichen werden Kinder auf dem Weg zur KiTa und Schule belastet und unnötig gefährdet. Insbesondere in der Feldstraße wären die Schüler*innen der Hebbelschule in besonderem Maße betroffen. Wenn im oberen Bereich der Feldstraße der Verkehr um einen beträchtlichen Faktor zunimmt, kann das nicht einfach ignoriert werden. Um die Verkehrssicherheit aufgrund der Kita, der Schule und des stark angefahrenen Krankenhauses zu gewährleisten, wurde die Kreuzung Lindenallee/Niemannsweg/Schliefenallee vor geraumer Zeit u. a. durch Verengung auf eine Fahrspur verkehrsberuhigt gestaltet wurde.
    Ausdruck der ohnehin schon starken Belastung der Feldstraße dürfte außerdem sein,  dass der südliche Abschnitt im Bereich der Einfahrt zum UKSH durch Einrichtung einer Tempo 30-Zone verkehrsberuhig  wurde und damit ein -  sicherlich gewolltes – Nadelöhr darstellt.
    Bei der Folgenabschätzung der Sperrung der Kiellinie wird überwiegend auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, das heißt auf eine Verlagerung des Verkehrs auf die B 76, den Westring und den Knooper Weg. Dass auch am Westring und am Knooper Weg Menschen wohnen, die sich über den zusätzlichen Verkehr sicherlich nicht freuen werden, wird gerne ignoriert.  Vielmehr wird  von den Gutachtern in ihrer VU  von ausreichender  „Leistungsfähigkeit“ der Ausweichstrecken und einer weiterhin vorhandenen „Verkehrsqualität“ gesprochen.
    Zudem würde seitens der Stadt argumentiert, dass die Beschlusslage ohnehin vorgibt 40 % weniger Autoverkehr in der Stadt haben zu wollen. Ein Beschluss der Ratsversammlung reicht jedoch nicht um dies umzusetzen – hierzu sind Alternative Angebote unerlässlich, die prioritär zu behandeln sind. Es bedarf eines ganzheitlichen Verkehrskonzeptes für Fahrrad-, PKW/LKW und ÖPNV für Kiel und eines breiten Konsenses in der Bevölkerung über die sachlogische Folge der erforderlichen Umsetzungsschritte.

    Das Automobil wird immer ein Teil unserer Gesellschaft bleiben – zunehmend umwelt- und klimafreundlich mit anderen Antrieben. Wir wollen keine ideologischen Debatten führen, sondern die Lebensrealität vieler Menschen berücksichtigen.

 

  • Mangelnde Aufenthaltsqualität aufgrund der Lage auf der Schattenseite Kiels:
    Die Gutachter der Stadt sprechen in ihrer vorbereitenden Untersuchung (VU) von einer beeinträchtigten Aufenthaltsqualität an der Kiellinie durch Schallemissionen des Kraftfahrzeugverkehrs. Da die Kiellinie lagebedingt die meiste Zeit des Tages im Schatten liegt und insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten nicht unbedingt zum Verweilen einlädt, ist es aber nicht nur der Autoverkehr, der für die vermeintlich geringe Aufenthaltsqualität verantwortlich gemacht werden kann. Eine Verlagerung der Schallemissionen in bewohnte und der Erholung dienende Gebiete kann nicht die Lösung sein.  Eine fundierte Untersuchung der zusätzlichen  Abgas- und Lärmbelastung auf den Ausweichstrecken liegt  bisher nicht vor.
    In der Umgestaltungsplanung sind 3 Teilabschnitte enthalten. Die uneingeschränkte Aufwertung der Aufenthaltsqualität erfolgt in den anderen beiden Teilabschnitten. Bei der Kiellinie Nord muss mindestens ein Kompromiss gefunden werden.

 

  • Der Umweltschutz ist uns wichtig:
    Durch die umgeleiteten Verkehre wird die Aufenthaltsqualität von Forstbaumschule und Diederichsenpark durch den steigenden Durchgangsverkehr erheblich beeinträchtigt. Dies steht im Widerspruch zur Zielsetzung der beabsichtigten Neugestaltung der Kiellinie und dürfte mit der Philosophie des Förderprogramms “Zukunft Stadtgrün” - über das die Finanzierung laufen soll - wohl kaum vereinbar sein.
    Zudem sind der Fördehang im nördlichen Abschnitt der Kiellinie sowie Forstbaumschule und Diederichsenpark gemäß Verordnung der Stadt vom 18. August 1980 Landschaftsschutzgebiet (https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/umwelt_naturschutz/_dokumente_naturschutzrecht/Naturschutzrecht.pdf). Dieses erstreckt sich von der Parkstraße im Norden bis auf Höhe des Anlegers Bellevue im Süden.  Im Teilabschnitt Hirschfeld-Blick bis Anleger Bellevue grenzt das Schutzgebiet unmittelbar an die Straße  (Kiellinie). Freie Flächen zur Schaffung von Erlebnisräumen stehen in diesem Teilabschnitt aufgrund der räumlichen Enge (Hanglage) nicht zur Verfügung. Eine Erweiterung der Flächen mit dem Ziel, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen,  wäre nur durch massive Eingriffe in den geschützten Fördehang möglich und dürfte damit ausscheiden. Auch für den anderen Teilabschnitt des Landschaftsschutzgebietes  von der  Parkstraße bis zum  Hirschfeld-Blick enthält die Verordnung zahlreiche  Verbote für Eingriffe.  So ist es zum Beispiel verboten, „… die Ruhe der Natur, den Naturgenuss durch Lärmen oder auf andere Weise zu stören.“  Möglichen Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthalts-qualität im nördlichen Abschnitt der Kiellinie hat die Stadt damit  selber durch ihre Verordnung einen sehr  restriktiven Rahmen gesetzt.  Durch dieses Landschaftsschutzgebiet (Niemannsweg) soll also der Umgehungsverkehr einer Kreisstraße mit hoher Verkehrsdichte und erheblichen  Schallemissionen laufen? 


Alternativen:

Wir müssen über Kompromisslösungen nachdenken, die aufgeführte Punkte berücksichtigen. Die Kiellinie wird zu einer Tempo-30-Zone. An Wochenenden könnte diese (bei Bedarf) vollständig gesperrt werden um Flohmärkte oder ähnliches zu veranstalten.  Eine Premiumradroute soll das Verkehrsangebot ergänzen. Hierzu eignet sich die derzeit als Fuß und Radweg genutzte Fläche. Für die Fußgänger müsste auch in diesem Abschnitt die Kaimauer vorgezogen werden. Alternativ könnten Stege im Wasser parallel zur Straße die Menschen auf das Wasser bringen - mit kleinen Ausbuchtungen zum Verweilen, kann auch dies eine Steigerung der Aufenthaltsqualität bieten. Hier bleibt auch die Sonne noch eine Weile länger sichtbar. 

 

Menschen mitnehmen - deshalb ein Bürgerentscheid!

In vielen Gesprächen haben wir eine Betroffenheit wahrnehmen können – direkt als Anwohnerinnen und Anwohner, als Nutzer der „Flaniermeile Kiellinie“ oder Autofahrerin und Autofahrer. Vielfach haben wir Unverständnis, wenn nicht Ärger mit Blick auf die aktuelle Planung der Kiellinie Nord vernommen. Diesen Gesprächen möchten wir Rechnung tragen. Als „Aushängeschild“ Kiels sollen die Kielerinnen und Kieler mitbestimmen.

Wir benötigen hierzu 8.000 Unterschriften bis zum 8. November 2020. Machen Sie mit, damit die Kielerinnen und Kieler selbst entscheiden dürfen und die obenstehenden Argumente nicht ungehört bleiben. Unterzeichnen Sie das untenstehende Dokument und senden Sie es uns zu. Geben Sie Familie und Freunden Bescheid. Vielen Dank!

 

Kurzfassung:

Die bevorzugte Planungsvariante zur Neugestaltung der Kiellinie sieht vor, den Nördlichen Abschnitt für den Autoverkehr komplett zu sperren. Diese Maßnahme ist in der Bevölkerung stark umstritten. Gespräche über Kompromisse sind bislang ergebnislos verlaufen. Die Kiellinie ist eine zentrale Nord-Süd-Achse. Sie ist Bestandteil des übergeordneten Straßennetzes der Stadt und wird von vielen Kieler*innen sowie von Pendler*innen auf der Fahrt zur Arbeit und in die Innenstadt gerne genutzt. Die Stadt hofft auf die Mobilitätswende, sie versäumt es aber, diese durch attraktive  Alternativen zum motorisierten Individualverkehr aktiv zu gestalten. Vielmehr wird auf Einschränkungen des innerstädtischen Verkehrs durch eine nicht adäquate Verkehrsführung zu Lasten der Bevölkerung gesetzt. Bei Sperrung der Kiellinie wird der Autoverkehr in die angrenzenden Wohn- und Erholungsgebiete gezwungen. Staus auf nicht dafür ausgelegten Straßen, Emissionen und ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für den täglichen Fußgänger- und Fahrradverkehr, insbesondere für Schulkinder, sind die Folge. Besonders betroffen ist die Feldstraße, die bereits eine hohe Verkehrsbelastung aufweist. Forstbaumschule und Diederichsenpark, ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete, werden gänzlich zerschnitten. Die Qualität als Naherholungsgebiet und Gründenkmal wird weiter beeinträchtigt. Demgegenüber sind die Gestaltungsmöglichkeiten im Nördlichen Abschnitt der Kiellinie stark eingeengt. Der Fördehang ist Landschaftsschutzgebiet, mit der Folge sehr restriktiver Eingriffsverbote für Maßnahmen zur signifikanten Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Die Sperrung der Kiellinie betrifft viele Kieler*innen. Sie sollte durch einen breiten Konsens getragen und so die Spaltung in der Bevölkerung überwunden werden.

Zu klären bleiben folgende Fragen und Aspekte:

  • Wie sollen die Verkehre realistisch umgeleitet werden? Die Verkehrswende ist richtig und erforderlich, aber ein solcher Prozess benötigt Zeit. Die Zahl der PKW, die in und durch die Stadt fahren, wird nicht dadurch reduziert, dass Umwege in Kauf genommen werden müssen und Parkmöglichkeiten reduziert werden.
  • Hat die Stadt Kiel ein gesamtheitliches, kurzfristig umsetzbares Konzept, um den Bürger*innen den Umstieg vom PKW auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern? Ein solches Konzept ist jetzt, wenn Straßen zurückgebaut oder ganz gesperrt werden, erforderlich und nicht erst in fünf bis zehn Jahren.
  • Wie ist der Ausweichverkehr zu bewerten? Es ist zu erwarten, dass infolge einer Sperrung der Verkehr in die angrenzenden Wohngebiete und die Feldstraße ausweichen wird. Durch die erhebliche Zunahme des Verkehrs in diesen Bereichen werden Kinder auf dem Weg zur KiTa und Schule belastet und unnötig gefährdet. Zum Beispiel in der Feldstraße wären die Schüler*innen der Hebbelschule in besonderem Maße betroffen.